Der Bürgermeisterkandidat Enno von Essen

Am 25.5.2022 haben die Mitglieder unseres Ortsvereins beraten und einstimmig entschieden, Enno von Essen als Kandidaten für die Bürgermeister*in-Wahl zu nominieren. Der 43-jährige Wildauer tritt als parteiloser Kandidat an. Im Folgenden möchten wir ihm die Gelegenheit geben, sich vorzustellen, so wie er sich uns vorgestellt und überzeugt hat.


Guten Abend meine Damen und Herren, liebe Freunde,

Mein Name ist Enno von Essen, ich bin 43 Jahre alt, verheiratet und habe drei Töchter. Zwei davon sind inzwischen erwachsen. Die Kleinste von Ihnen – Elena – wird Ende Juni 14 Jahre alt. Sie wohnt bei meiner Exfrau in Berlin-Karolinenhof. Karolinenhof – dort war ich 2009 angekommen und hatte zu diesem Zeitpunkt die Vorstellung, nie wieder von dort wegzugehen. Doch Dinge im Leben kommen anders, als man sie sich vorstellt. Es folgte eine – zum Glück – faire Scheidung.

Zu dieser Zeit war ich bereits Unternehmer. Mein mittelständisches Handelsunternehmen hatte ich über die letzten Jahre hinweg mühevoll aufgebaut. Es lagen Jahre schwerster Arbeit hinter mir, an denen ich viele Tage und Nächte am Computer verbrachte.

Ich und mein Unternehmen liefen in diesen ganzen Jahren in einem Zustand, den man Momentum nennt. Das ist eine Art Effekt, der sich irgendwann einstellt und unter dem alles, scheinbar ohne jegliche Anstrengung, wie von selbst läuft. Im Jahr 2016 war es eine Kombination aus Marktentwicklung der vergangenen Jahre, der Marktaussichten auf die Zukunft und des Konkurrenzverhaltens, die mich dazu bewegte, das Unternehmen zu schließen bzw. zu verkaufen und mich auf Immobilien zu konzentrieren, mit denen ich mich schon seit einigen Jahren beschäftigt.

Unser Vorsitzender Nik Wulf (rechts im Bild) gratuliert Enno von Essen zur Nominierung.

Ich und mein Unternehmen liefen in diesen ganzen Jahren in einem Zustand, den man Momentum nennt. Das ist eine Art Effekt, der sich irgendwann einstellt und unter dem alles, scheinbar ohne jegliche Anstrengung, wie von selbst läuft. Im Jahr 2016 war es eine Kombination aus Marktentwicklung der vergangenen Jahre, der Marktaussichten auf die Zukunft und des Konkurrenzverhaltens, die mich dazu bewegte, das Unternehmen zu schließen bzw. zu verkaufen und mich auf Immobilien zu konzentrieren, mit denen ich mich schon seit einigen Jahren beschäftigte.

2017 heiratete ich meine bezaubernde Frau Steffi und zog mit ihr nach Wildau. Wir hatten gezielt nach Wohnungen in Wildau gesucht und sofort etwas gefunden. Schon bei der ersten Besichtigung war uns klar – hier werden wir wohnen. Ich hatte kurz vorher noch ein winziges, sehr altes Stadthaus in einem verschlafenen Dorf auf Mallorca erworben. Kein Luxus, einfach nur ein Rückzugsort, um Zeit am Meer zu verbringen. Von 2017 bis 2019 verbrachte ich sehr viel Zeit dort – aber mir fehlte die Herausforderung, etwas zu leisten.

Gut. Sie wissen jetzt, was ich bisher gemacht habe und wie ich nach Wildau gekommen bin – zumindest teilweise, für den Rest fehlt hier heute Abend die Zeit.

“Wildaus Reiz ist der Gegensatz von Technik und Natur.”

Diesen Satz habe ich vor einigen Wochen gelesen. In einem Bericht aus dem Jahr 2009. Er erzählt vom 70 Jahre alten Siegfried B., der trotz aller Umstände tapfer durchgehalten hat und nun der letzte verbliebene Bauer in Wildau ist. Ich muss seither oft an diesen Satz denken, denn ich weiß bis heute nicht, was er bedeutet.

Wenn ich durch das Industriegebiet schlendere und mir die alten Lokschuppen anschaue, stelle ich mir vor, wie Wildau wohl in seiner Blütezeit aussah. Hier wurden Dampfloks gebaut. Technik, natürlich. Aber keine Technik von heute. Dampfloks, bei denen erst stundenlang der Kessel vorgeheizt werden musste, damit der nötige Druck entsteht, um endlich die Antriebswellen zu bewegen. Technik aus längst vergangenen Tagen.

Wo früher also Loks unter größtem Kraftaufwand sich langsam in Bewegung setzten, werden heute neue Technologien erforscht, entwickelt und unterrichtet. Die TH Wildau erbringt dort heute Höchstleistungen, um Zukunftstechnologien bereitzustellen. Ist das vielleicht die Technik, die der Satz meint? Vielleicht. Ich weiß es nicht.

Es könnte auch die Stadt gemeint sein. Die Stadt Wildau, die Häuser, die Verwaltung, die Menschen, die Infrastruktur. Und dann fiel mir ein Satz ein, der es sehr gut trifft. Er ist möglicherweise nicht nett.

“Die aktuell größte technische Innovation in Wildau ist die angezogene Handbremse, mit der sich die Stadt bewegt.”

Lassen Sie mich das erklären:

Wildau. Mai 1922. In Halle 21 herrscht geschäftiges Treiben. Eine neue Lok ist fertig gebaut und muss nun ausgeliefert werden. Dort wo heute ein Café zum Verweilen einlädt, stehen Arbeiter erschöpft, aber glücklich zusammen. Sie haben grade gemeinsam den Vorratswaggon der Lok mit Kohle beladen. Überall riecht es nach Asche und man spürt die gewaltige Hitze des glühenden Ofens. Der von oben bis unten vom Staub verdreckte Heizer schaufelt weiter Kohle in die Glut. Denn nur so wird die Temperatur im Kessel steigen. Nur so wird dort der notwendige Druck erreicht. Nur so wird das Ziel der harten Arbeit der letzten Monate sichtbar. Und nur so kann sich die Lok endlich in Bewegung setzen.

Quietschend beginnen sich die Räder dieser Lok zu drehen. Sie drehen durch auf den Schienen, verursachen aber dennoch Vortrieb. Wenig, dann mehr und mehr. Langsam, wie an einem unsichtbaren Seil gezogen, schiebt sich die Lok langsam und Stück für Stück aus dem Schuppen. Man sieht den dumpfen Glanz des schwarzen Metalls der gewaltigen Lok, als die ersten Sonnenstrahlen sie berühren. Ich schaue zu wie sich die Lok nun weiter und weiter vorwärts kämpft, bis endlich die Räder ihre volle Kraft entfalten können und die Lok ihr Momentum erreicht. Von diesem Moment an kann sie aus eigenem Antrieb jederzeit ihre volle Geschwindigkeit fahren.

Die Stadt Wildau selbst ist diese Lok. Erbaut unter Schweiß und Tränen, angefeuert in der Hitze des glühenden Ofens, erreichte sie einst ihr Momentum. Die Stadt erstrahlte und befand sich in einem Zustand, in der alles wie von selbst seinen Weg fand. Fortschritt und Aufstieg waren nicht mehr aufzuhalten. Doch unter dem Ruhm und Glanz des Erfolges kam irgendwann der Punkt, an dem man eines vergessen hatte – den Ofen weiter mit Kohle zu versorgen.

Und so ist Wildau inzwischen in einem Zustand, indem es nicht mehr nur ausreicht, einfach Kohle nachzuschippen. Wir müssen gemeinsam das Feuer im Ofen der Stadt neu entfachen. Wir müssen den Ofen von alter Asche befreien, neu befüllen und neu entflammen – doch das geht nur gemeinsam.

Ich stehe hier heute zwar, um Sie alle um ihre Unterstützung zu bitten, doch nicht damit ich allein Wildau wieder in Gang setze, sondern um die Gemeinschaft zu vereinen, dies zu tun. Ich möchte eine Brücke bauen von Mensch zu Mensch, denn nur gemeinsam ist Wildau stark genug. Wir gemeinsam haben es in der Hand, diese Stadt einmalig innovativ sein zu lassen, sie wieder wunderbar lebenswert zu machen und zu erhalten.

Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir in Zukunft leben wollen!

Ich möchte in einer Stadt leben, in der in 10 Jahren jedem sofort klar ist, was Wildaus Gegensatz von Technik und Natur bedeutet. Eine Stadt, die Hand in Hand mit der technischen Hochschule und dem Fraunhofer an unserer nachhaltigen Zukunft arbeitet, damit unsere Wildauerinnen und Wildauer auch in Zukunft Ihren Strom bezahlen und Häuser heizen können.

Ich möchte in einer Stadt leben, in der genügend Wohnraum zur Verfügung steht, in der auch junge Familien eine Wohnung finden und sich dauerhaft leisten können, ohne dafür auf ihren Urlaub verzichten zu müssen. Dazu müssen wir aufhören, die Schatzkammer unserer Stadt durch Investoren plündern zu lassen und selbst das Ruder wieder in die Hand nehmen. Wir müssen den Zuwachs und den Ausbau von Wohnungen behutsam entwickeln und dürfen nicht jeden grünen Fleck dieser Stadt im Beton ersticken. Ich möchte in einer Stadt leben in der sich die Einwohner als Teil einer sozialen Gemeinschaft fühlen – und wohlfühlen wollen. Und nicht, weil sie in Berlin keine Wohnung gefunden haben.

Ich möchte in einer Stadt leben, in der wir nicht auf andere Städte schauen und überlegen, was wir tun können, um nach vorne zu kommen – sondern in der andere Städte auf uns schauen.

Und ich möchte in einer Stadt leben, in der im Jahr 2024 der Bürgermeister mit einem großen Blumenstrauß in der Dorfaue steht, weil es ihm ein persönliches Anliegen ist, Siegfried B. zu seinem 85. Geburtstag zu gratulieren – und ihm für sein Durchhalten als Teil unserer Gesellschaft zu danken.

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